SNOx Anlage in Betrieb genommen
Am 30.11.2007 um 19:40 lief die SNOX-Anlage zum ersten Mal kontinuierlich. Genau 28 Stunden und 20 Minuten vor dem entscheidenden Zieltermin. Ein 20 Monate langer Marathon für die „Auftragnehmergemeinschaft ILF – Envirgy – Tecon“ war hiermit zu Ende.
Die SNOX-Anlage wurde in der OMV-Raffinerie Schwechat bei Wien nach einer Lizenz der dänischen Firma Haldor-Topsoe geplant und errichtet. Rauchgase aus verschiedenen Raffinerieanlagen, die sehr schwefelhaltige Brennstoffe verwenden (zum Beispiel Raffinerierückstände), werden in einem katalytischen Verfahren gereinigt.
Übersicht Prozessbeschreibung
Maximal 820.000 m3/h Rauchgas wird abströmseitig des bestehenden Elektrofilters übernommen. Neu installierte Brenner heizen das Gas auf 200°C auf. Die Hauptgebläse mit jeweils 2x4 MW Antriebsleistung (drehzahlgeregelt) saugen das Rauchgas durch die neu errichtete, 48 m hohe Elektrofilter-Anlage. Der Flugaschegehalt wird von ca. 15-20mg/Nm³ auf < 5mg/Nm³ herabgesetzt.
Im anschließend durchströmten Gasvorwärmer (dem größten Plattenwärmetauscher der Welt mit einem Gesamtgewicht von 840t) wird das Gas mit Unterstützung weiterer Brenner auf 410°C als Voraussetzung für die katalytischen Prozesse erwärmt.
Im zum Reaktor aufsteigenden Rauchgaskanal wird das für die NOx-Reduktion benötigte Ammoniak mit einem speziellen Eindüsesystem beigemischt. Mit einer Höhe von 54 m ist der Reaktor neben dem Kamin das höchste Anlagenteil. Das Rauchgas durchströmt den SCR – Katalysator, an dem die Stickoxide mit dem Reduktionsmittel Ammoniak zu Wasser und Stickstoff umgewandelt werden. In Folge ist der SO2 - Katalysator installiert, der SO2 zu SO3 konvertiert.
Der danach geschaltete WSA („Wet-Sulphric-Acid Condenser“) ist ein Glasrohrwärmetauscher, der aus dem mit SO3 beladenen Rauchgas durch Abkühlung Schwefelsäure ausfällen lässt. Die Schwefelsäure wird in Behältern mit einer säurefesten Ausmauerung aufgefangen und in das Tanklager zur Verladung auf Eisenbahnkesselwagen gepumpt.
Das Rauchgas gelangt dann durch 4 Halar (EPTFE) beschichtete Sammelstränge zum 88 m hohen Kamin. Im Kamin sind aufwändige Emissionsmessungen installiert, die den Reinigungsgrad des Rauchgases ständig überwachen.
Der Reinheitsgrad des Rauchgases
Die EU-Grenzwerte für SO2 und NOx betragen jeweils 400 mg/m³. Mit der neuen Anlage werden die Grenzwerte um mehr als die Hälfte unterschritten. Diese Unterschreitung bedeutet bei Schwefeldioxid einer Reduktion von mehr als 2.400 t/Jahr, bei den Stickoxiden wird dadurch eine Verminderung um mehr als 1.400 t/Jahr erreicht.
Zahlen und Fakten der Errichtung
- Investitionssumme: 160 Mio Euro
- Geleistete Arbeitsstunden am Baufeld: 1,1 Millionen
- Montage über mehr als ein Jahr in 24h Schichtbetrieb, 7 Tage die Woche
- 2 Turmdrehkräne und bis zu 5 Mobilkräne (100 t bis 800 t) gleichzeitig im
Einsatz auf einem nur 55m x 55 m großen Baufeld.
- Gleichzeitig knapp 7000 t Gerüst im Einsatz
- In der Spitze, Juli 2007, etwa 500 Arbeiter gleichzeitig auf der „kleinen“
Baustelle, enorme Anforderungen an die Sicherheit.
Leistungen der ILF und Tecon
ILF und Tecon waren gemeinsam mit dem Partner Envirgy verantwortlich für das Projektmanagement, das komplette Engineering, die Beschaffungsleistungen mit mehr als 200 Paketen, die Baustellenleitung und –überwachung sowie die Inbetriebnahme. Die Gesamt-Projektleitung wurde durch Hrn. Christian Heinz von ILF München wahrgenommen, die Projektleitung der Tecon hatte Hr. Thomas Schieler inne.
Bei diesem Projekt, welches in organisatorischer Hinsicht und von der Geschwindigkeit her extrem hohe Anforderungen gesetzt hat, wurden zahlreiche neue Arbeitsmethoden entwickelt, bei denen alle Beteiligten wesentliche Entwicklungsarbeit geleistet haben.